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Das Tabu ist ein weiter Begriff. Eine Wertung kommt uns nicht zu. Ein 'Tabuthema' berührt einen wunden Punkt einer Gesellschaft, gesellschaftliche Veränderungen werden häufig durch Tabubruch erzeugt. Ein Tabu beruht auf einer stillschweigend praktizierten gesellschaftlichen Übereinkunft, die Verhalten auf elementare Weise gebietet oder verbietet. Tabus sind unhinterfragt, strikt, bedingungslos, sie sind universell, und: sie sind Bestandteil einer jeden funktionierenden menschlichen Gesellschaft.

Als Eigenschaftswort bezeichnet tabu (polynes. Sprachr.) einen Zustand, der mit „unverletzlich“, „unberührbar“ beschrieben werden kann. Auf den Tonga-Inseln bedeutet tabu oder tapu ursprünglich „unter Verbot stehend“, „nicht erlaubt“. In seinem heutigen Gebrauch heißt das Wort auf Tonga „heilig“, „geheiligt“, aber durchaus auch in dem Sinn von „eingeschränkt“ oder „durch Sitte und Gesetz geschützt“

„Tabu“ und „Mana“ (magische Energie eines Gegenstandes oder Themas) sind Qualitäten, die nicht nur unsichtbar existent sind, sondern extrem wirksam sein können, sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung. Genau diese Ambivalenz, die permanente Gradwanderung zwischen Distanzverhalten, Schutzraum und kollektiven Wahrnehmungen von Ehrfurcht und Scheu bis hin zur Machtausübung durch ein Tabu ist Thema der künstlerischen Arbeit.

Dabei sollen in der Installation keine einzelnen Tabuthemen aufgearbeitet werden. Vielmehr wird der Klosterhof ganz-flächig oder in Teilbereichen mit feinstrukturierten abstrakten Bildern bespielt. Mit Farbüberlagerungen, Malereien, Ritzungen und Collagen soll ein subtiles Spiel doppeldeutig-mystischer Verwebungen entstehen.

Claudia Reh,

März 2012

Fotos: Andy Weinhold

Kamera: Katja Springer

ein Projekt im Auftrag der Evangelischen Akademie Meißen zur langen Nacht der Kunst, Kultur und Architektur Meißen 2012